Diesen November reiste ich nun zum neunten Mal in den Bihar, Indien. Dieser Besuch bedeutete mir besonders viel. Es war mein Abschiedsbesuch von der Diözese Muzaffarpur. Im Herbst dieses Jahres trat die Weltgruppe zurück. Während den letzten 22 Jahren durfte ich die verschiedenen Projekte begleiten und als Kontaktperson mit dem Bischof in Muzaffarpur zusammenarbeiten. So war es mir eine Herzensangelegenheit, all die Dörfer in denen Schulhäuser, Hostels und Kirchen mit Spenden aus unserer Pfarrei und Gelder vom Administrationsrat St. Gallen entstanden, zu besuchen. Bischof Cajetan Francis Osta, seit 4 Jahren im Amt, stellte die Reise entsprechend zusammen und begleitete mich und meine Tochter auf der gesamten Reise.

Besonders erwähnen möchte ich das Dorf Latonah. Hier begann alles im Jahre 1985, mit dem Bau der Kirche und der Schule 1999. Mittlerweile besuchen über 1`200 Schülerinnen und Schüler die Schule. Besonders erfreulich ist die steigende Anzahl der Mädchen, die die Schule besuchen. Dazu konnte vor 3 Jahren ein Hostel mit unserer Unterstützung gebaut werden. Nun können die Mädchen aus weitentfernten Dörfern auch die High-School besuchen, Aktuell sind dies 24 junge Frauen. Ein erfolgreicher High-School Abschluss ermöglicht ihnen eine höhere Ausbildung, als Grundlage für eine eigenständige Zukunft.

Marpa, das nur wenige km von der nepalesischen Grenze entfernt liegt, wird immer wieder von schweren Überschwemmungen heimgesucht. Das massiv gebaute Schulhaus wird in diesen Notzeiten zur rettenden Insel des ganzen Dorfes. Sogar Wasserbüffel werden über die schmale Treppe auf das Dach getrieben. Ein kleines Ruderschiff dient als Verkehrsmittel und Rettungsfahrzeug. Die zurückbleibende Feuchtigkeit hinterlässt am Mauerwerk sichtbare Spuren.

Unser Besuch traf mit dem Christ Königfest zusammen. 12 Kinder empfingen die Erstkommunion und 14 junge Menschen wurden vom Bischof gefirmt. Mit einer Prozession durch das reich geschmückte kleine Dorf wurde dies feierlich begangen.

In Darbhanga, einer großen Stadt (300`000 EW) in Mitten riesiger Sümpfe, konnte auf dem Pfarreiareal nach langer Ungewissheit mit dem Bau einer Multifunktionshalle begonnen werden. Dass Bausand a) aus politischen Gründen nicht geliefert und b) inzwischen das zig-fache kostet hätte ich bis vor kurzem nicht für möglich gehalten. Doch nun geht der Bau überwacht durch Pfarrer Sushil gut voran. Zuvor wurde mit vereinten Kräften aus der Pfarrei eine provisorische Halle erstellt. In dieser findet bis zur Fertigstellung der neuen Halle der Schulunterricht statt.

Dank den Spenden aus unserer Pfarrei konnte in den vergangenen Jahren zahlreichen Kindern aus sehr armen Verhältnissen der Schulunterricht sowie eine sichere Unterkunft in den Hostels ermöglicht werden.

Auf unserer Rundreise durch den Bihar wurde uns bewusst wie riesig alleine das Bistum ist. Es leben über 31 Mio. Menschen in deren Einzugsgebiet. Die 6`000 Katholiken sind damit eine verschwindende Minderheit.

Die langen Fahrten nutzten wir für einen regen Austausch mit dem engagierten Bischof. Die sich mit dem jetzigen Präsidenten N. Modie verändernde politische Ausrichtung (Hindu nationalkonservativ) Indiens beeinflusst seine Arbeit und Stellung der Christen maßgeblich.

Die Besuche wären ohne die hervorragende Planung und kundige Begleitung durch die Verantwortlichen des Bistums Muzaffarpur nicht möglich gewesen. Die vergangenen Jahre haben mir einen Einblick in eine mir unbekannte, teilweise schwer vorstellbare Lebensrealität von Millionen von Menschen gegeben. Ich habe großartige Menschen kennen gelernt, die sich mit ihrer ganzen Schaffenskraft für die Verbesserung der Lebensqualität, der von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen einsetzen. Sie alle bleiben mir in unvergesslicher Erinnerung.

Habe ich Sie neugierig gemacht? So sind Sie gerne zum Vortrag (wahrscheinlich 22. Februar) in die Unterkirche eingeladen.

Irene Thaler