Unterwegs auf Luthers Spuren

Am frühen Sonntagmorgen versammelte sich eine bunte Schar Frauen und Männer am Bahnhof Uzwil. Unter der Leitung von Ingrid Krucker und Richard Böck ging es mit dem Reisecar für sieben Tage Richtung Thüringer Wald.

Mit genügend Fahrpausen, einigen Informationen und literarischen Einschüben aus Luthers Leben verging die Fahrt wie im Flug. In Erfurt, der Landeshauptstadt von Thüringen, wurde das erste Quartier bezogen. Vor dem Nachtessen blieb sogar noch Zeit für einen Bummel in die Stadt.

Am Montag stand eine Führung im Augustinerkloster auf dem Programm. Hier begann Luther im Juli 1505 sein Leben als Mönch. Im heutigen Kloster ist aus der damaligen Zeit nur mehr wenig im Original erhalten. Die interessante Führung liess aber dennoch viele Eindrücke aus Luthers Leben als junger Mönch und Priester zu.
Nach einem herzhaften Thüringer Mittagessen führte Richard Böck die «Pilger» durch Erfurt. Der Dom aus der Renaissancezeit mit seinem Treppenaufgang aus 70 Stufen und die sorgfältig restaurierten Stadthäuser waren sehr eindrücklich.

Die Wartburg stand am Dienstag auf dem Programm. Oberhalb von Eisenach erhebt sich die mittelalterliche Burg imposant aus den Wäldern. Hier übersetzte Martin Luther im Jahre 1521 die Bibel ins Deutsche, nachdem er sich dort als Geächteter unter dem Decknamen «Junker Jörg» verstecken musste.
Auf der Wartburg beeindruckte besonders der prunkvolle Festsaal, welcher auch heute noch für Anlässe benutzt wird und der Mosaikraum, welcher seiner berühmten Bewohnerin, der heiligen Elisabeth von Thüringen gewidmet ist. Sehr sehenswert waren auch das Luthermuseum und das Bachhaus im Städtchen Eisenach, für deren Besichtigung nachmittags noch genügend Zeit blieb.

Etwas ausserhalb von Bad Frankenhausen steht das Panorama Museum. Das darin ausgestellte Monumentalgemälde «Frühbürgerliche Revolution in Deutschland» von Werner Tübke zeigt auf einer Fläche von 14m Höhe und 123m Umfang über 3'000 Figuren und 75 Schlüsselszenen aus der Zeit des Bauernkrieges von 1525.
Im Dörfchen Bad Frankenhausen genoss man anschliessend ein feines Mittagessen und bummelte durch die Ortschaft.

Am Donnerstag hiess es von Erfurt Abschied nehmen. Die beiden letzten Nächte waren in einem kleinen Dorf nahe Leipzig geplant. Davor stand die Weiterfahrt nach Eisleben auf dem Programm. In Eisleben ist Martin Luther 1487 geboren und getauft worden. Später zog die Familie nach Mansfeld, wo Luther seine Kindheit verbrachte. Der Zufall wollte es, dass Martin Luther sich im Jahre 1546, trotz seinem Herzleiden, wegen einem Streit der Grafen von Mansfeld nach Eisleben aufmachte. Dort angekommen starb er kurze Zeit später an einem Herzinfarkt.
Unter einer fachkundigen Führung besichtigte die Gruppe hier das Geburtshaus, die Taufkirche, die Andreaskirche und das Sterbehaus. Die vielen Erläuterungen gaben nochmals eindrückliche Einblicke in das Leben von Martin Luther.

Am Tag vor der Heimreise führte der Weg zur Lutherstadt Wittenberg. In Wittenberg nahm Martin Luther eine Professur an der Universität an und verbrachte hier die meiste Zeit seines Lebens. Hier schlug er auch seine 95 Thesen an die Pforte der Schlosskirche.
Wittenberg ist wegen seiner herausgeputzten Innenstadt und den sehenswerten Lebensstationen von Martin Luther eine Reise wert.

Mit der Rückreise am Samstag ging eine ereignisreiche Woche zu Ende, die vielen noch lange in Erinnerung bleiben wird. Ein grosser Dank gilt den beiden Organisatoren. Sie haben es verstanden, die Tage mit passenden Morgengebeten zu beginnen, die Ausflüge und Besichtigungen mit genügend freier Zeit zusammenzustellen und vor der Nachtruhe mit besinnlichen Abendrunden abzuschliessen.

Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Pfarreireise!

Brigitte Bellmont


Wohlverdiente pause nach der Klosterführung in Erfurt.


Die drei Lisbeths auf der Wartburg, Wohnsitz der heiligen Elisabeth.


Ein Teil der Gruppe vor der Thesentür in Wittenberg.